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 Fishkopp´s Bergblog: Spuren im Schnee

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Dihydrogenoxid

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Jungfrau Anzahl der Beiträge : 136
Alter : 50

100212
BeitragFishkopp´s Bergblog: Spuren im Schnee

Minus zehn Grad, die Sonne scheint. In den letzten Tagen hat sich die Schneedecke auf etwa 10 Zentimeter erhöht. Das ist nicht viel, wenn ich an den vergangenen Winter denke. Aber es reicht, um zum ersten Mal die Langlauf-Skier herauszuholen und eine kleine Runde zu drehen.
Noch am Vormittag hat es ein wenig geschneit. Es war diese Art von Luft, die alles Perfekte des Wassermoleküls vereint dem Auge sichtbar macht. Jede einzelne Flocke ein Unikum, sechsstrahlig, gefiedert, leicht.
Das Anplünnen dauert in diesen Tagen fast genauso lange wie die Tour an sich - naja, das ist natürlich übertrieben. Leider musste ich die Hunde enttäuschen, die können nicht mit.
Der Weg zur Kiesgrube hoch, der erste Anstieg, war vom Schneepflug geräumt. Der eine oder andere Stein, der durch das bisschen Schnee lugte, stoppte meine Gleit-Versuche, aber egal. Kurz vor der Autobahnbrücke bog ich nach rechts in einen Feldweg ein. Weit und breit war keine schon benutze Spur zu sehen. Also zog ich selbst eine.
Das hat mir schon im letzten Jahr gut gefallen: Loipen ziehen im jungfräulichen Schnee und dann auf eine Fremd-Loipe treffen. Das Laufen geht dann wesentlich besser. Ich erfreute mich an dem Gedanken, dass ein anderer Mensch vielleicht auch meine Loipe nachläuft und besser vorankommt.
Ich finde es allerdings schade, wenn ein Spaziergänger mit Stiefeln in der Loipe geht. Sie ist danach nicht mehr zu benutzen, weil der Seitenhalt fehlt. Man rutscht ständig weg. Aber es ist offensichtlich nur natürlich, einer vorhandenen Spur zu folgen.
So habe ich für mich entschieden, etwas weiter neben den Wegen zu laufen, damit erst gar keiner in die Versuchung kommt.
Mein Blick wandert abwechselnd in die Ferne und wieder auf die Skispitzen. Dabei nehme ich auch die kleinen Spuren wahr, die von befellten oder gefiederten Geschöpfen stammen, die auf der Suche nach Futter oder einem Unterschlupf versuchen, den kalten Winter zu überleben. Hier ist eine schnurgerade Katzenfährte, da muss ein kleiner Vogel entlang gehüpft sein. Der Schnee ist so fluffig, dass zwischen den Abdrücken auch immer eine Schleifspur zu sehen ist.
Ich stelle fest, dass der Feldweg kurz ist und bald direkt auf´s Feld führt - macht aber nix. Es geht leicht bergab und ich komme sogar ein wenig ins Gleiten - schön das.
Ein Bussard fliegt auf, wahrscheinlich habe ich ihn bei seiner Mahlzeit gestört, gleich darauf ein zweiter. Am Waldrand bewegt sich - flach am Boden - etwas Rotbraunes: ein Fuchs schnürt in Richtung der Stelle, wo die Bussarde aufgestiegen sind, hält inne, sieht zu mir herüber. Er dreht um, nimmt Deckung hinter einem Busch, sieht wieder zu mir herüber und verschwindet. Entschuldigt bitte, ich wollte euch nicht stören.
Also ziehe ich meine Kurve schon etwas früher. Jetzt geht es gen Südwest, direkt der Abendsonne entgegen. Die Oberfläche leuchtet orange zwischen den länger werdenden Schatten der Bäume, Hasenspuren kreuzen, entspannt gehoppelt; auch ein Rehzug war hier.
Es ist anstrengend, weil es leicht bergauf geht und ich die Unebenheiten des Feldes unter mir spüre. Dann biege ich in den Feldweg ein, der mich wieder nach Hause führt. Auf der Mittelspur gleite ich zum Hauptweg. Hier muss gerade ein Fahrradfahrer vorbeigekommen sein. Er ist doch ziemlich in Schlingern geraten, weil er in eine tiefe Treckerspur gerutscht ist. Direkt daneben die schon fast bedeckten Spuren meiner bespikten Laufschuhe vom Vortag, samt den 12 Pfoten unserer Hunde.
Nein, eine kleine Schleife soll es noch sein. Nur ein Stück bergauf zum Wald oben, solange die Sonne noch über dem Horizont steht. Dann geht es von dort aus zwischen den Bäumen und über die Brücke wieder runter zum Hauptweg. Das gönne ich mir jetzt. Ein Spaziergänger hat über das Feld abgekürzt, Hundespuren kreuz und quer, Witterung aufnehmend.
Nach einem schönen Gleitstück springt sie mich förmlich an: Ein Mensch hat mit den Stiefeln die Worte „HALLO DU!!“ in den Schnee getreten. Das war bestimmt E., die gerade vor mir spazieren gegangen ist. Ich schreibe mit den Stöcken „Hi E.!“ dazu. Kurz vorm Haus steht noch ganz groß, ebenso getreten, „NATALIE“ geschrieben. Nee, das war bestimmt nicht E.
Ah, das tat gut. So, die Dusche ruft.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass Bernd „Ich liebe Dich!“ in den Schnee auf der Terrasse gepinkelt hat.
Stattdessen aber war dort gelb auf weiß zu lesen: „Ich bin Legastheniker.“ affraid
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