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 Geschäftsmodell: Menschenverarsche

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hydrophiler

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Wassermann Anzahl der Beiträge : 45
Alter : 50

130212
BeitragGeschäftsmodell: Menschenverarsche

Wer betrügerischen Haien im Haifischbecken `mal so richtig auf die Fresse kloppen will, der gebe sich als Orca.
Wer betrügerischen Haien im Haifischbecken `mal so richtig genüsslich auf die Fresse kloppen will, der gebe sich als naive, unsicher wirkende und dumm aus der Wäsche guckende Flunder, um im richtigen Moment den Haien die wahre schwertwalige Natur in die Visage zu hämmern und ihnen anschließend die Flossen zu stutzen.

Ich war eine Flunder. Bis vor kurzem. Und ein Hai dachte bis vor kurzem mit mir weiter spielen zu können. Jetzt denkt er vielleicht anders.

Das Spiel begann Silvester. Ich sah bei meinem Hai, einem Online-Händler, eine schicke und überaus günstige Festplatte. Ich luscherte in die AGB, bestellte und leistete auf Grund des großzügigen Skontos Vorkasse. Mir war klar, dass die schicke Festplatte kein bindendes Angebot, sondern eine invitatio ad offerendum, also nichts anderes als die Aufforderung zur Abgabe eines Angebotes war. Auch war die nun zügig folgende automatische Bestätigungs-Mail meines Haies keine Annahmeerklärung und ein Vertrag folglich noch nicht zustande gekommen.

Nicht wenige denken aber, dass mit der Bestätigungs-Mail ein Vertrag in der Welt ist, den es nun zu erfüllen gilt. Leistet man in Vorkasse und ist das Geld auf dem Konto des Hais passiert etwas Sonderbares. Urplötzlich ist der Hai nicht mehr zu erreichen. Weder telefonisch noch per Mail. Der eine bemüht, weil der Hai-Server oftmals nicht erreichbar ist, dann die papierne Variante und schreibt einen Brief oder mehrere an den Hai. Zu Anfang reduziert sich der Inhalt auf die Frage, wann denn mit dem Versand der erworbenen Ware zu rechnen sei. In späteren Schreiben droht man mit seinem Anwalt, der Polizei oder dem großen Bruder, hilfsweise auch mit der großen Schwester. Und was macht der Hai? Genau. Nix macht der Hai und sein Telefon bleibt stumm. Im I-Net liest man dann zuweilen von vermeintlich vielversprechenden, aber oft falschen und unnütz kostenintensiven Vorgehensweisen und vom riesengroßen Frust und Ärger der vom Hai Verarschten.

Ich bat meinen Hai via Mail noch an Silvester über die Bestellseite um Angebotsannahme und Übersendung der Festplatte binnen Wochenfrist. Mein Hai blieb stumm wie ein Fisch im Wasser.
Kein Lebenszeichen, keine Festplatte.
Weil Haie aber gierig sind, legte ich nach einer Woche einen Köder aus. Einen Köder deshalb, weil die Beweislast problematisch ist. Denn das Absenden einer Mail bietet per se keinen Anscheinsbeweis dafür, dass selbige im Postfach des Hais eingegangen ist. Diese kann auch durch Unterbrechung der Übertragungswege verloren gehen, sodass im Streitfall der Zugang durch mich nicht bewiesen werden kann.
Ich musste ihn also aus der Reserve locken und schrieb ihm eine Mail mit dem Inhalt, dass ich an dem Erwerb einer weiteren von ihm im Angebot befindlichen Festplatte interessiert sei und ob er es zur Vermeidung höherer Versandkosten ermöglichen könne, mir beide in einem Paket zuzusenden.
Mein Hai fraß den Köder und antwortete mir sofort. Eine Minute später hatte er meinen vorbereiteten Widerruf im elektronischen Postfach. Nun heißt es haiisch zu werden und sich im Nichtstun zu üben, für genau 30 Tage.

Ist man hibbelig und schaltet während dieses Monats einen Anwalt ein, geschieht dies auf eigene Rechnung, denn der Hai befindet sich noch nicht in Verzug.
Auch ist es überflüssig, nach Ablauf des Monats separat zu mahnen, weil unser schickes Zivilrecht regelt, dass Verzug automatisch nach Ablauf von 30 Tagen nach Zugang der Widerrufserklärung eintritt.

Nach 30 Tagen der kommunikativen Ruhe weiß der Hai seit heute, was ihm im Haifischbecken blüht: die Einleitung des gerichtlichen Mahnverfahrens.
Hierfür wird er einige Festplatten an künftiges Haifutter verticken müssen.
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Geschäftsmodell: Menschenverarsche :: Kommentare

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Re: Geschäftsmodell: Menschenverarsche
Beitrag am Mo 13 Feb - 10:01:49  Dihydrogenoxid
affraid lol!

Hehe! Gut so. Das nennt man im übertragenen Sinne, glaube ich, "jemandem genüsslich eine Blutblase in den Sack drehen".
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Re: Geschäftsmodell: Menschenverarsche
Beitrag am Mi 15 Feb - 19:21:33  Neptun 2.0
Finde ich klasse geschrieben. Leider gibt es da einige schlechte Erfahrungen mit solchen Händler, die meinen sie müssen hoch hinaus jedoch versuchen wenig zu leisten. Sie berufen sich darauf das viele nichts dagegen tun, müssen aber die Lehre nehmen, ob sie wollen oder nicht, das es sich auch Personen leisten können dagegen vorzugehen. Finde ich gut, des der jetzt so gut wie verloren ist Very Happy . Schlechte erfahrungen wünsche ich natürlich keinem, denn wer will schon betrogen werden.
 

Geschäftsmodell: Menschenverarsche

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